Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

036924/47428

 

Was vor 90 Jahren in Mihla geschah... In der Ortschronik geblättert - 1929 

Januar/Februar 

- Bürgermeister Hörschelmann hat vom Landkreis den Erlass eines Teils der Gemeindeschulden erreicht. 

- Auf der Ratssitzung im Januar wird K. Hook (SPD) zum 1. Vorsitzenden des Rates gewählt. Stellvertreter wird Wilhelm Gernandt (Landbund). Der bisherige 1. Vorsitzende W. Vogt (SPD) wird zum ehrenamtlichen Beigeordneten gewählt. Vorsitzender des Bauausschusses wird August Vogt. Im Gemeinderat sitzen weiterhin die Herren W. Arnold, E. Stahlbock, W. Lerp, W. Eisenbrandt, A. Schreiber, A. Meyfarth, A. Fichtel und Herr Kirchner. 

- Erstmalig wird vom Landkreis eine Einwohnerstatistik veröffentlicht. Danach hatte Mihla am 31.1.1928 2191 Einwohner, 1098 männliche und 1093 weibliche. In den letzten zwei Jahren nahm die Bevölkerung um 113 Personen zu. 1928 gab es 18 Eheschließungen, 53 Geburten (!) Und 30 Todesfälle. 

- Die Verschuldung der Gemeinde, so ist Ende Januar in einem Zeitungsartikel zu lesen, beträgt nach Berechnung des Bürgermeisters noch 70.000 RM, wovon 7000 RM Vorkriegsschulden, vor allem vom Bahnbau herrührend, sind. 

- Der Bauausschuss besichtigt Ende Januar das Geschäft des Kaufmanns Radloff am Markt. Dieser hat beantragt, vor seinem Laden eine Tanksäule errichten zu lassen. Unter Auflagen stimmt der Ausschuss dem Antrag zu (Das Vorhaben wird allerdings nie verwirklicht!). 

- Auf der Ratssitzung im Februar geht es wiederum um den Schulneubau in Mihla. Es herrscht großer Raummangel. Zurzeit werden 8 Klassen unterrichtet, hinzu kommen noch 6 Berufsschulklassen. Der Unterricht muss auch im Sitzungssaal des Rathauses stattfinden. Hierzu gibt Bürgermeister Hörschelmann die Genehmigung. 

- Ein Schreiben des Landrates sorgt in der Gemeinde für Diskussionen. Es geht dabei um die Besitzrechte in der Wüstungsflur Werthausen. Der Landrat schlägt vor, die Flur wegen der dortigen Besitzrechte Ebenshäuser Bauern nach Ebenshausen umzufluren. Über die Zugehörigkeit dieser Flur hatte es bereits im 18. Jahrhundert einen lang andauernden Rechtsstreit gegeben. 

Der Landkreis will mit der Umflurung vor allem eine Verbesserung der Straßensituation von Mihla nach Scherbda erreichen. Die Straße soll durch die Gemeinde ausgebaut werden, was von dieser abgelehnt wird. Der Mihlaer Gemeinderat soll zu diesem Problem beschließen. 

- Eine Bürgerversammlung stimmt dem Beschluss des Gemeinderates zu, einen Wasserzins einzuführen. Dadurch soll der Fehlbetrag des Wassergeldes abgeglichen werden: Der Haushalt muss demnach im Jahr 12 Mark zahlen, ein Junggeselle 6 Mark, für 1 Pferd müssen 8 Mark und für 1 Kuh 5, für 1 Schwein 2 Mark an die Gemeinde gezahlt werden. 

- Auf dem Wege zum Mihlaer Bahnhof verunglückt ein Bischofrodaer Bauer mit seinem Fuhrwerk tödlich. Der unbeschrankte Bahnübergang ist recht gefährlich. Das Gespann wird vom Zug erfasst. 


In der Eisfeldstraße, vor dem Wohnhaus des Schneidermeisters Nickol. 


Im Forstbezirk “Schwan” (Lauterbacher Flur) wird 1929 die über 400 Jahre alte Buche, “Adam” genannt, gefällt und mit 12 Pferdegespannen zum Mihlaer Bahnhof transportiert. Die Aufnahme entstand in der Hauptstraße von Lauterbach. 

- Ende Februar wird in der Lauterbacher Flur, im Forstbezirk “Schwan”, der wohl älteste Baum der Region, im Volksmund “Adam” genannt, gefällt. Das Gegenstück, die Buche “Eva” war schon im Jahre 1924 abgeholzt worden. Der Transport der über 400 Jahre alten Buche erfolgt mit 12 Pferdegespannen zum Mihlaer Bahnhof und dauert 2 Tage! 


In der Mihlaer Marktstraße, Postkarte um 1930. 

- Ortschronist -