Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

036924/47428

 

Vor 100 Jahren: Was geschah damals in Mihla? 

Das Jahr 1920 

Das zweite Jahr der Weimarer Republik brachte für die Menschen spürbar vor allem zwei Entwicklungen hervor: Die politischen Auseinandersetzungen um die Zukunft der Republik nahmen an Schärfe zu und wurden immer häufiger mit Gewalt ausgetragen. 

Gleichzeitig verschlechterte sich die soziale Lage ständig, vor allem durch die rasch zunehmende Geldentwertung. 

Januar: 

- Nach dem Einsetzen von Tauwetter kommt es zu extremen Hochwasser der Werra. Sturm und Gewitter erschweren die Wettersituation. 

- Der Streit zwischen der Gemeinde Mihla und der Überlandzentrale Mühlhausen geht weiter und verschärft sich. 


Das Mihlaer Wasserkraftwerk in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. 

- Die Überlandzentrale Mühlhausen, sie ist für die Stromversorgung zuständig und das Mihlaer E-Werk speist in deren Netz ein, lehnt die von der Gemeinde Mihla geforderte Herabsetzung der Strompreise ab, im Gegenteil, diese werden weiter erhöht. 

Auch der Streit mit dem Rittergutsbesitzer Lichtenberg geht weiter. Dieser hat untersagt, dass in seinen Wäldern “Leseholz” gesammelt werden darf. 

- Mitte Januar findet auf dem Saal der “Goldenen Aue” eine Bürgerversammlung wegen der Strompreise statt. Es wird mehrheitlich beschlossen, die neuen Preise der Überlandzentrale (1,70 RM für Lichtstrom, 0,85 RM für Kraftstrom und 1,40 RM für die Straßenbeleuchtung) zu zahlen, aber “nur unter Protest”, wie im Protokoll vermerkt wird.  

- Das schon im Jahre 1919 vorbereitete Kinderbad im “Nassen Sack” wird durch Dr. Ewers in Betrieb genommen. Es geht darum, die besonders unter den Arbeiterkindern häufige Volkskrankheit Tuberkulose besser bekämpfen zu können. 

- In den Lichtenbergschen Wäldern (Lichtenberg hat 1917 das Rittergut „Rotes Schloss“ gekauft) beginnt ein großer Holzeinschlag. Lichtenberg hat innerhalb eines Jahres bedeutende Teile des ehemaligen „Roten Schlossgutes“ zu Geld gemacht. Er entpuppt sich nun als totaler „Rittergutschlächter“, eine neue Bezeichnung für Spekulanten und Geldmacher, die sich bald in Deutschland durchsetzt. 


Fotografie des Saales der “Goldenen Aue”. Der Saal wurde im Jahre 1912 fertiggestellt und in den 20er Jahren farblich ausgemalt. Immer wieder finden wichtige Versammlungen im “Auesaal” statt, das hat sich bis heute nicht geändert. 


Gruppenfoto “Zur Erinnerung an meine Schulzeit”, aufgenommen mit der 6. Klasse des Jahres 1920 vor der Bürgerschule in der Marktstraße. Lehrer ist Herr Göpel, der gleichzeitig als Schulleiter tätig war. Im Gebäude der Bürgerschule waren Lehrerwohnungen untergebracht sowie ein Zimmer der Mihlaer Sanitätskolonne, worauf das Rote Kreuz rechts neben den Eingang hinweist. 

Lämmerhirt