Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

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Vor 100 Jahren (1921): Die Mihlaer Stromrevolte 

Vorgeschichte: Der Strompionier August Trabert hatte seine Werramühle Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Wasserkraftwerk umbauen lassen. So bekam Mihla recht früh elektrischen Strom. 

Schon 1910 wurde eine 10 KV-Leitung von Mihla zum neuen Elektrizitätswerk Mühlhausen gebaut. Dadurch konnte die dort entstandene Mühlhäuser Überlandzentrale günstigen Strom vom Wasserkraftwerk Mihla beziehen. 


Die Mihlaer Werramühle nach ihrem Umbau zum Wasserkraftwerk. Vorhanden auch eine Schleusenanlage für den Verkehr der Holzflöße und anderer Wasserfahrzeuge. 


Der Stromvertrag von 1910 mit den Unterschriften des Mihlaer Bürgermeisters Baumbach und des Mühlenbesitzers Traber, Ortsarchiv. 

Der beim Verkauf der Werramühle an die Überlandzentrale abgeschlossener Vertrag legte „angemessene und normale Preise…“ fest. 

Erhöhte Kosten und die steigende Inflation Anfang der 20er Jahre als Folge des verlorenen 1. Weltkrieges zwangen nun die Überlandzentrale, willkürlich neue Preise festzulegen, die große Unruhe unter den Abnehmern in Mihla auslösten: Je Kilowattstunde sollte für Hausstrom nun 1,10 Reichsmark (vorher 50 Pfennige, für Kraftstrom 0,55 RM) und die Gemeinde für die Straßenbeleuchtung 0,80 RM bezahlt werden. Das bedeutete eine enorme Steigerung der Strompreise für jeden Kunden und auch für die Gemeinde, die für die Straßenbeleuchtung aufkam. Vor allem sahen die Mihlaer darin einen Bruch des Vertrages mit der Überlandzentrale.

Gleichzeit setzte sich die durch den verlorenen Krieg und die Bedingungen des Versailler Vertrages verschärfte Wirtschaftskrise weiter fort. Die Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter stieg an, besonders die in Mihla so verbreitete Zigarrenindustrie wurde erfasst. 

Am Anfang des Jahres 1921 erreichten diese Auseinandersetzungen mit der Überlandzentrale Mühlhausen um die Höhe der Strompreise einen Höhepunkt. Die Zeitungen der Region schrieben von einer „Mihlaer Revolte“. Erst nach zähen Verhandlungen konnte ein Kompromiss erzielt werden, der durch die Inflation allerdings bald wieder zunichte war. 

Die „Mihlaer Revolte“ 1921 

Anfang des Monats Januar fand eine Bürgerversammlung in der „Goldenen Aue“ statt. Es ging um die Mihlaer Strompreise. Die Einwohner weigerten sich, die erneute Erhöhung zu bezahlen. Die Überlandzentrale drohte schließlich, über den ganzen Ort eine Stromsperre zu verhängen, wenn nicht gezahlt würde. 

Da die Bürgerversammlung keinen Beschluss fasste, erlosch in Mihla am 5. Januar das elektrische Licht. 

Die Stimmung unter den Mihlaer nahm allmählich gewaltbereite Formen an. Da sprach es sich im Dorf herum, dass im Gasthof „Zum Schwan“ zwei Angestellte der Überlandzentrale Quartier genommen. Eine erregte Menschenmenge fand sich daraufhin vor dem „Schwan“ ein. In Wirklichkeit waren dort zwei Kriminalbeamte aus Mühlhausen abgestiegen. 


Der Gasthof „Zum Schwan“ wurde zum Schauplatz der „Mihlaer Revolte“. Beinahe wäre Blut geflossen… 

Die beiden Beamten wurden schließlich durch die in den Gasthof eindringenden Mihlaer ernsthaft bedroht, fürchteten um ihr Leben und mussten ihre Waffen ziehen. Im letzten Moment, bevor es zu Handgreiflichkeiten kam, konnte der Irrtum durch den Wirt aufgeklärt werden. 

Am 13. Januar wurde die Stromsperre wieder aufgehoben, nachdem sich der Besitzer der Werramühle, Herr Trabert, in die Verhandlungen eingeschaltet hatte. Er verwies auf eine Passage des Vertrages mit der Überlandzentrale, nach der bei Unstimmigkeiten ein Schiedsrichter der Landesregierung einzuschalten sei. 

Daher konnten auf dieser Basis Ende des Monats neue Verhandlungen zwischen der Gemeinde und der Überlandzentrale Mühlhausen beginnen. 

Die Gemeinde stimmt schließlich einer Erhöhung des Werrawehres zu, um durch mehr Druck auf den Turbinen mehr Strom zu erzeugen. Mihla sollte zukünftig allein durch das Mihlaer Wasserkraftwerk versorgt werden. Unklar bleiben noch die endgültigen Strompreise. Diese wurden dann unter Einbeziehung der Schiedsstelle Ende des Jahres festgelegt. Bis zum 1. Januar 1922 sollte ein Einheitspreis von 3,50 RM je Kilowattstunde gezahlt werden, danach erfolgte eine Senkung auf 3 RM. 

Aufgrund der ständig fortschreitenden Inflation entsprachen diese Preise durchaus den Vorstellungen der Mihlaer. Was blieb waren aber die Erinnerungen an die Mihlaer Revolte. 

Ortschronist Mihla