Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

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Historische Postkarte vom Heldrastein erinnert an ein Buchenauer Wohnhaus 

Helmut Herold aus Mihla übergab mir eine historische Ansichtskarte, die eine Doppelansicht des Heldrasteins bei Schnellmannshausen zeigt. Im oberen Teil der Karte ist der Berg, meist als „König des Werratales“ bezeichnet, mit seiner markanten Bergkante zu sehen. Gut erkennbar ist auch der Aussichtsturm auf dem 503 Meter hohem Berg. Dieser auch „Carl-Alexander-Turm“ genannte Ausguck entstand im Jahre 1890 und wurde vom damaligen Kammerherrn von Scharfenberg aus Wanfried errichtet und bezahlt. 

Durch die Baumwipfel auf der Ansichtskarte sieht man auch den Giebel des Berggasthofes auf dem Heldrastein, den der aus Lüderbach stammende Albert Lorbach betrieb. Aus einer Wanderherberge heraus, die in der Saison von verschiedenen Vereinen bewirtschaftet wurde, bot der Wirt Lorbach seit 1923 ständig Speisen und Getränke an. 1927 schließlich kaufte Lorbach ein Areal auf dem Berg und errichtete dort den neuen Berggasthof mit Fremdenzimmern und einer herrlichen Aussicht in das Werratal und bis zum Hohen Meißner oder zum Hülfensberg. 

Aus dieser Zeit, kurz vor dem 2. Weltkrieg, stammt die Ansichtskarte. Interessant auf der Rückseite ist auch der Originalstempel des Gasthofes. 

Wirt Lorbach überlebte die Zeit des Weltkrieges und versuchte danach einen Neuanfang. Aber schon bald waren die häufigsten Gäste Angehörige der Grenzpolizei aus der Sowjetischen Besatzungszone und später der DDR. Der Heldrastein war zu einem unmittelbaren Grenzgebiet geworden. 1952 wurde Lorbach enteignet und der Gasthof geschlossen und wenig später erfolgte der Abriss der Gebäude. 

   

Zu dieser Zeit hatte sich auf der Hüneburg, einem Ausläufer des Berges in Richtung Schnellmannshausen, bereits die Staatsicherheit einquartiert. Diese Spezialstation, extra gegen jeden Fremden abgesichert, wurde bis 1990 betrieben. 

Auf der Hüneburg hatte der damalige Pfarrer Schütz 1935 ein aus Holz errichtetes Wochenendhaus erbauen lassen. Bei den Bauarbeiten stieß man auf Tonscherben und Wälle einer früheren Burg. Die damals gemachten Funde kamen in verschiedene Museen und stammen aus der Zeit des Mittelalters. 

Dieses Wochenendhaus des Pfarrers, so konnte unser Leser Helmut Herold berichten und bestätigte damit bereits vorhandene Informationen, wurde Anfang der 50er Jahre säuberlich abgebaut und auf Veranlassung des Chefs der Buchenauer Sodawerke dort als Wohnhaus wiedererrichtet. Das Gebäude steht, nach einigen Umbauten und Erweiterungen, noch heute rechts der Straße nach Creuzburg. Heute wohnt dort Familie Berger als Eigentümer.

So schließt sich der Kreislauf dessen, was die alte Ansichtskarte berichten kann.

Vielen Dank an Helmut Herold! 

 - Ortschronist Rainer Lämmerhirt -