Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

036924/47428

 

Handwerk und Gewerbe in der Kaiserzeit

1880 gab es neben den etwa 80 vorrangig von der Landwirtschaft lebenden Familien bereits etwa 200 Familien, die in der Industrie untergekommen waren, sowie noch etwa 80 Handwerkerfamilien sowie mehrere Händler (3 Materialwarenhändler, 1 Fischhändler, 2 Holzhändler, 3 allgemeine Händler).

Der für die Bevölkerung wichtigste Händlerladen des Kaufmanns Böttger befand sich im Gebäude neben dem „Schwan". Auch die Handwerker stellten noch einen hohen Prozentsatz der Bevölkerung.

In jenen Jahren wurden 3 Bäcker, 3 Böttcher, 2 Drechsler, 1 Korbmacher, 3 Leinenweber, 3 Maurer, 4 Müller, 1 Barbier, 2 Fleischer, 6 Gastwirte, 1 Sattler, 1 Schlosser, 4 Schmiede, 4 Schneider, 6 Schuster, 4 Stellmacher, 7 Tischler, 3 Tüncher und Dachdecker sowie 2 Zimmerleute, also insgesamt 63 Familien, genannt.

Die für die Bewohner wichtigen Bäckereien befanden sich „am Anger" (Gemeindebäckerei, älteste erhaltene Backordnung aus dem Jahre 1767), auf dem „Münster" und „im Winkel".

Wichtig vor allem für die Bauern waren die Dorfschmieden, von denen sich eine am „Markt", eine „Am Anger" sowie zwei „Am Bach" befanden.

Mit der Ernennung Heinrich Adam Böttgers (Neustadtstraße) zum Postkollektor in Mihla am 28.3.1860 durch die großherzogliche Regierung verbesserte sich auch die im Zeitalter der Industrialisierung so notwendigen postalischen Verbindungen. Schon 1866 erhielt die Poststube einen ersten Briefkasten.

Auch verschiedene Bauunternehmer hatten Geschäfte gegründet. 1880 gab es bereits vier (Wuth, Metzing, Moseberg, Schieck) sowie vier Steinbrüche (2 im Besitz der Gemeinde, 1 Steinbruch der Harstalls sowie 1 weiterer im Besitz von L. Meyfarth).

Diese Betriebe beschäftigten ebenfalls bis zu 50 Arbeiter. Als größtes Bauunternehmen entwickelte sich nach 1900 die Firma Schlothauer. 1914 hatte sie über 200 Beschäftigte und war damit der größte Mihlaer Betrieb dieser Zeit.

Blick auf die Ziegelhütte Baumbach, die Dampfmolkerei und das E- Werk, um 1920.

Neben den traditionellen Gasthöfen „Zum Mohren" und „Zum Schwan" war noch das „Deutsche Haus" (Grundstück Böhning, Eisfeldstraße) hinzugekommen. So genannte Restaurationen, damals Gaststätten ohne Übernachtung, waren mit den Gaststätten Stein, Wieditz (später „Werrablick"), Trabert (Marktstraße) und schließlich der „Goldenen Aue" entstanden.