Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

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Ernst Christoph von Harstall, ein heute vergessener Held 

Im Jahre 1677 fanden sich im „Grauen Schloss“ Mihla und der hiesigen St. Martinskirche viele vornehme Personen zu einem ganz außerordentlichen Leichenbegängnis ein. 

Ernst Christoph, Herr auf Mihla und Ritter im „Grauen Schloss“, war als Rittmeister in einem hessischen Regiment am Kriege des Reiches gegen Schweden beteiligt. In einem Gefecht in der Provinz Schonen wurde der mit den Reichstruppen verbündete König von Dänemark gefangen genommen. Es gelang dem Rittmeister durch einen kühnen Angriff mit seinen Reitern den König aus den Händen der Schweden zu befreien. Dabei erlitt er drei tödliche Pistolenschüsse. Er starb fern seiner Heimat und wurde aus Dank durch den geretteten dänischen König in Karlskrona in einem feierlichen Staatsbegräbnis beigesetzt. 


Das Gemälde zeigt den "Helden" der Familie von Harstall, Ernst Christoph. Das Gemälde des 17. Jahrhunderts kam durch eine ständige Leihgabe von Dr. Gerhard Seifert, einem ehemaligen Mihlaer, in den Fundus des Museums im Rathaus. 

Zu Ehren dieses Helden wurde in Mihla ein Leichenbegängnis durchgeführt. Die Witwe des Rittmeisters, Anna Sabina Judith, geborene von Romrodt, seines Sohnes Georg Hermann, der Vetter Wilhelm Ludwig sowie viele weitere Familienmitglieder konnten im „Grauen Schloss“ zu Mihla zum Leichenmahl nach dem vom Mihlaer Pfarrer Himmel gehaltenen Gottesdienst den gesamten Adel der Region begrüßen. Eingestellt hatten sich auch viele hohe Offiziere des Regiments des Rittmeisters und der Reichsarmee, aber auch dänische Offiziere sowie hohe Vertreter des Eisenacher Herzogshauses. Vermutlich hat es ein solches Adelstreffen in Mihla nicht wieder gegeben. 


Ausschnitt der vom damaligen Pfarrer Himmel verfassten und in der St. Martinskirche vorgetragenen und auch gedruckten Leichenpredigt zum Heldentod des Ernst Christoph, Museum Mihla. 

Während des Treffens wurde bekannt gegeben, dass die Familie der Harstalls durch den Kaiser den Freiherrentitel verliehen bekommen hatten. Fortan durfte die Familie in Erinnerung der Heldentat im Wappen einen Lorbeerkranz tragen. 

Leider ist dieses Ereignis heute weitgehend unbekannt, stelle aber mit Sicherheit für die Region und das Herzogtum Eisenach ein ganz besonderes Ereignis dar. 

Die Witwe lebte hochgeehrt als "Frau Rittmeisterin" bis zu ihrem Tode im Jahre 1688 im „Grauen Schloss“. 

Rainer Lämmerhirt