Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

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Die Mihlaer Kirmesfahne 

Die wichtigste Tradition der Mihlaer Kirmes, die in schriftlichen Aufzeichnungen bis in das Jahr 1679 zurückverfolgt werden kann, ist das Mitführen einer schwarz-rot-goldenen Kirmesfahne. Diese Fahne, keine Kirmesfahne im eigentlichen Sinne, sondern von Beginn an eine politische Fahne, macht die Mihlaer Kirmes noch ganz besonders interessant und wichtig! 

Ihre Wurzeln sind in der bürgerlichen Revolution der Jahre 1848/49 zu suchen. Vielleicht entstanden sie auch schon im Frühjahr 1813 oder 1814, mit dem Aufbruch der Freiwilligen in den Befreiungskrieg gegen Napoleon! 

Mihla spielte in den Märzereignissen des Jahres 1848 im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach eine wichtige Rolle. Die harte Herrschaft der Ritterfamilie von Harstall und die sich ändernden Verhältnisse auf dem Lande, weg vom bäuerlichen Leben hin zu mehr bürgerlichen Freiheiten schufen die Voraussetzungen für die Ereignisse im März 1848. Während der Märzrevolution stürmte eine aufgebrachte Menge das „Graue Schloss“ und zwang die Harstalls zum Verzicht auf Fronleistungen. 

Nach der Überlieferung wurde nach dem Sturm auf das „Graue Schloss“ durch die Mihlaer Frauen eine schwarz-rot-goldene Fahne für die gegründete Bürgerwehr angefertigt und feierlich übergeben. Darüber berichtete der damalige Pfarrer Köhler, ein angeheirateter Verwandter der Familie von Harstall. 

Nachdem Militär des Großherzogs auch in Mihla die Unruhen niedergeschlagen hatten, wurde diese Fahne durch die Mihlaer versteckt. 

Als aber die nächste Kirmes im Jahre 1850 gefeiert wurde, trugen die Mihlaer diese Fahne als ihre Kirmesfahne. Seither hat sich dies nicht geändert. Sie ist noch heute erhalten und seither die Fahne der Kirmesgesellschaft. 


Zur letzten Traditionsfeier der Kirmesfahne, 160 Jahre 2008, wurden beide Fahnen, die historische und die neue Fahne, im Reiterzug mitgeführt und erhielten auf dem Propel Erinnerungsschleifen. 

Führte der Sturm auf das „Graue Schloss“ auch nicht zu bleibenden Ergebnissen, wurde die Erinnerung an die Ereignisse in der Einwohnerschaft wachgehalten. Dazu trug ganz besonders die schwarz-rot-goldene Fahne bei. In jedem Kirmeszug bekam sie ihren Ehrenplatz. Von vielen unbemerkt, wurde sie zu einer regelrecht politischen Fahne. Sie überstand mit der Kirmes das “schwarz-weiß-rote Kaiserreich”, in dem man sich nur ungern an die Ereignisse von 1848/49 erinnerte, ebenso wie die Jahre des 3. Reiches und die DDR-Zeit. Drei Schleifen mit Jubiläumsdaten erinnern daran. 

1990 wurde sie gegen eine neue Fahne ausgetauscht, die heute im Kirmeszug geführt wird. Die originale Fahne erhielt im Jahre 2012 einen Stammplatz im Mihlaer Museum "Adel, Bauern und Kriege in Westthüringen". 

In diesem Jahr will die aktuelle Kirmesgesellschaft nun mit einer Traditionsfeier an diese revolutionären Wurzeln unserer Kirmesfahne erinnern. 

Rainer Lämmerhirt
- Bürgermeister -