Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

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Die ersten sesshaften Bewohner des Werratales: Vor 3600 Jahren siedelten Ackerbauen und Viehzüchter am Ufer der Werra 

Bekannt sind sie schon lange Zeit, die beiden Hügelgräberfelder von Scherbda und Freitagszella, die von den Fachleuten der Mittleren Bronzezeit (etwa 1600-1200 v. Chr.) zugerechnet werden. Schon unsere Vorfahren wussten um diese Gräber und sie sahen sie wohl noch in einem weitaus besseren Zustand. Dies betrifft zumindest die Hügelgräbergruppe oberhalb Freitagszellas, denn dort waren acht Hügel bekannt, von denen allerdings vier im Ackerland liegen und durch die Bewirtschaftung der Flächen heute völlig verschwunden sind. Zwei weitere Hügel im Wald wurden durch einen Weg zerschnitten, lediglich zwei Hügel sind noch gut erhalten. Einer dieser Hügel, der sogenannte Hügel 6, wurde 1963/64 durch den Archäologen Gauß ausgegraben. Beteiligt damals war der Mihlaer Künstler Eckard Mater. 


Grabungsfunde nach Skizzen von Katrin Ebner und Rekonstruktion einer Frauentracht aus dem Grabhügel 6 von Freitagszella, Museum im Rathaus Mihla. 

1970 gruben S. Hummel und D.W. Müller zwei weitere Hügel aus. Die meisten der Funde sind heute im Eisenacher Museum oder im dortigen Archiv gelagert. 

Zuletzt hat sich im Jahre 2001 Frau Katrin Ebner aus Jena in ihrer Doktorarbeit „Die mittlere Bronzezeit in Südthüringen“, die sie an der Uni Marburg einreichte und verteidigte, ausführlich mit dem Freitagszellaer Gräberfeld beschäftigt. 

Gefunden wurden 1963 drei Körpergräber mit den entsprechenden Grabbeigaben. Die dort gefundenen Beigaben, vor allem Spiralscheiben, Bronzenadeln sowie eine Bronzescheibe (im Museum auf der Creuzburg ausgestellt), Halsringe und Reste einer Lanzenspitze, künden davon, dass in den Gräbern von Freitagszella für die damalige Gesellschaft wichtige Persönlichkeiten beigesetzt wurden. 

Das Gräberfeld von Freitagszella, heute weitgehend unbekannt und nur schwer zu finden, liegt auf einem nach Osten verlaufenden Ausläufer des Sollerts in Richtung Bocksgraben. Die noch am besten erhaltenen Grabhügel haben einen Durchmesser von 16x20 Meter und eine Höhe von 1,20 Meter. 

Die Besonderheit dieses Grabfeldes liegt darin, dass die Hügel ausschließlich aus Lehm aufgeschüttet wurden.

Bisher ist es den Archäologen nicht gelungen, die zu den Grabfeld Freitagszella und dem zweiten Grabfeld aus dieser Zeit in Scherbda gehörigen Siedlungen aufzudecken. 

Mit Sicherheit bevorzugten aber unsere Vorfahren nicht das Hochwasser der Werra gefährdete Talniederung, sondern sie legten ihre Häuser wohl an den Ausläufern der Höhenzüge an, vielleicht nur unweit der Gräber. Aber das Holz dieser frühen Bauernhäuser ist schon lange vergangen, die Spuren dieser ersten dauerhaften Siedler im Werratal sind verschwunden… 

Etwas bekannter und leichter zu finden ist das Gräberfeld bei Scherbda. Nicht nur, dass die Scherbdaer diese Stelle gut kennen, sie liegt an der alten Straße nach Creuzburg und ist auf den Wanderwegen extra angegeben und zudem mit einer kleinen Sitzgruppe und einer Infotafel gut erschlossen, die Scherbdaer Grabhügel sind ganz im Gegensatz zu den wesentlich intensiver ergrabenen Hügeln von Freitagszella in der Öffentlichkeit weitaus mehr präsent. 

In Scherbda sind fünf Grabhügel nah beieinanderliegend gut zu erkennen. Sie haben heute noch eine Höhe von bis zu 2 Metern und erreichen einen Durchmesser bis zu 27 Metern! 

Zwei der Hügel wurden bereits 1899 durch Professor Alfred Götze ausgegraben. 1865 in Weimar geborene Götze kann als der erste im Fach Ur- und Frühgeschichte promovierte und später auch tätige Wissenschaftler bezeichnet werden. 

Er war lange Zeit in der Bodendenkmalpflege in Berlin und Brandenburg tätig und Gründer und langjähriger Leiter des Steinsburgmuseums in Römhild, wo er an der dortigen keltischen Anlage auch führend an den Ausgrabungen beteiligt war. Götze war auch an den Ausgrabungen in Troja beteiligt. Er verstarb 1948 und wurde in Römhild beigesetzt. 

Bei den Ausgrabungen von Scherbda wurden die in Holzsärgen bestatten Toten gefunden. Die Männer erhielten Dolche und Beile als Grabbeigaben, die Frauen dagegen wurden mit ihrem Schmuck beigesetzt, vor allem, ebenso wie in Freitagszella, Radnadeln und Armschmuck. 

Die Gräber von Scherba konnten 1995 rekonstruiert werden. Heute herrscht dort auf dieser Anhöhe oberhalb Scherbdas friedliche Ruhe, gut geeignet, dass sich interessierte Wanderer umso besser in die lange Vergangenheit dieses Platzes vertiefen können. 

Aber bitte beachten, die gesamte Anlage steht unter Denkmalschutz! 


Die Scherbdaer Grabhügel erreichen einen Durchmesser von bis zu 27 Metern, die Aufschüttung beträgt noch beinahe 2 Meter. 


Die Scherbdaer Grabhügel liegen eng beieinander. 

Rainer Lämmerhirt