Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

036924/47428

 

Aus der Ortsgeschichte: Vor 100 Jahren - Niederlage im Weltkrieg, Revolution und Neubeginn 

Vor 100 Jahren wurde nach über vier mörderischen Jahren der Weltkrieg, den man später den 1. nennen sollte, mit der Unterzeichnung eines Waffenstillstandes bei Paris, beendet. 12 Millionen Menschen waren um ihr Leben gebracht worden. 

Das Deutsche Kaiserreich hatte den Krieg verloren. Die Zukunft des Reiches lag nun in den Händen der Siegermächte. Kaiser Wilhelm hatte sich ohne für seine Krone zu kämpfen nach Holland ins Exil abgesetzt, in Berlin und den großen Städten beendeten Matrosen und Arbeiter die Herrschaft der alten Eliten, vorerst. 

Mit dem Kaiser waren auch die regierenden Fürsten, darunter auch der letzte Großherzog von Sachsen-Weimar, zum Rückritt gezwungen worden. 

Viele Männer, auch aus Mihla, waren noch bei der Armee, die nur allmählich von den einzelnen Kriegsschauplätzen zurückgeführt wurde, viele waren auch noch in Kriegsgefangenschaft. Es gab in vielen Familien Leid und Trauer um die Gefallenen, allein aus Mihla waren es über 60, weitere galten als vermisst (71 Kriegsopfer wurden später amtlich festgestellt). Insgesamt waren aus Mihla etwa 450 Männer zum Kriegsdienst eingezogen worden. 

Schon Anfang des ersten Friedensjahres fielen wichtige politische Entscheidungen. Im Januar fand die Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung statt, ein neuer Staat, die “Weimarer Republik”, war im Entstehen. Aus den Wahlen gingen die demokratischen Parteien, die Sozialdemokratie als stärkste Partei, die Demokratische Partei und die Zentrumspartei, als Sieger hervor. 

Sie schlossen während der ersten Tagung der Nationalversammlung in Weimar eine gegen Rechts und Links gerichtete Koalition ab. Der Sozialdemokrat Friedrich Ebert wurde zum Reichspräsidenten und Staatsoperhaupt gewählt; Regierungschef wurde Philipp Scheidemann, ebenfalls SPD. 

Wichtige Entscheidungen standen vor der neuen Regierung. Die neue Verfassung musste auf den Weg gebracht werden, in der erstmals in Deutschland auch die Frauen Wahlrecht erhielten.  

Erstmals wirkliche demokratische Verhältnisse wurden geschaffen, die Macht sollte von den Vertretern des Volkes ausgehen. Aber viele Deutsche konnten mit diesen Möglichkeiten wenig anfangen; zu sehr war man an die politischen Verhältnisse aus dem Kaiserreich gewöhnt. Zu gerne hörte man noch auf diejenigen politischen Kräfte, die eigentlich immer den Ton angegeben hatten... 

In Mihla waren dies vor allem die Rittergutsbesitzer und die Vertreter der konservativen Parteien. Doch auch in unserem Ort gewann die SPD an politischer Stärke. Bei den letzten Reichstagswahlen vor dem Krieg 1912 hatten sie bereits die meisten Stimmen auf sich vereinen können. 

Schwierig war der Umgang mit der Vergangenheit des Krieges. Im Sommer wurde von den Siegermächten der Versailler Vertrag unterzeichnet und der deutschen Delegation aufdiktiert, ein Vertrag, der Deutschland allein die Kriegsschuld zuwies und nicht erfüllbare Forderungen umfasste.  

In den großen Städten raste der Bürgerkrieg zwischen den Rechten und Linken. Mit Schrecken hörte man, dass Deutsche auf Deutsche schossen. 


Der Sportverein Mihla legte eine Ehrentafel für Mitglieder an, die im Krieg gefallen waren. 30 waren es schließlich. 

Die schon im Jahre 1918 begonnene öffentliche Diskussion in unserem Ort um die plötzliche Abreise des Besitzers des Rittergutes “Rotes Schloss“, des anerkannten Jenaer Nervenarztes Professor Dr. Binswanger, in die Schweiz wurde nun in unschöner Art in der Presse fortgesetzt. Die Vorwürfe an den Arzt reichen bis hin zum Landesverrat. 

- Am 19. Januar finden die Wahlen zur Nationalversammlung statt. In Mihla wird wie folgt gewählt: 

- Deutsch-Nationale Volkspartei (DNVP) - 78 Stimmen

- Christliche Volkspartei                            -   5 Stimmen

- Demokratische Partei (DDP)                  - 290 Stimmen

- SPD                                                         - 489 Stimmen

- Unabhängige Sozialdem. Partei (USPD)  -  94 Stimmen 

Trotz aller Hoffnungen nach dem Ende des Krieges; was die Zukunft bringen sollte, das war Anfang 1919 für viele Menschen unklar. 

- Ortschronist -