Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

036924/47428

 

Historische Gebäude im Amt Creuzburg: Das Mihlaer Rathaus 

Ortsverfassung und Bürgermeister 

Im Jahre 1816 genehmigte der Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach seinem Land die Aufstellung einer Verfassung. Einige Jahre vergingen, bis dies dazu führte, auch eine Gemeindeordnung in Kraft treten zu lassen. Erstmals im Jahre 1833 konnten auch die wahlberechtigten Mihlaer Bürger einen Gemeindevorstand wählen. Dieser bestimmte aus seinen Reihen den ersten Ortsvorsteher, bald Bürgermeister genannt: Johann Adam Heintz, der „reiche Heintz“, wie er genannt wurde. Er blieb, auch aufgrund des Dreiklassenwahlrechts, welches nur den reichen Anspännern Wahlchancen einräumte, bis zum Jahre 1869 im Amt! 

Auch vor 1833 gab es Vertreter der Gemeinde, die deren Interessen, vor allem gegen die Herren von Harstall, durchsetzen sollten. Diese Heimbürgen wurden einmal im Jahr von den wohlhabenden Bauern bestimmt und mussten über ihre Arbeit genau Rechenschaft ablegen und ein Kassenbuch führen. Diese so genannten Heimbürgenrechnungen sind seit dem Jahre 1678 erhalten! 


Der erste Mihlaer Bürgermeister Johann Adam Heintz 

1869 wurde der Mittelbauer Sebastian Ernst als Bürgermeister gewählt. Er stand an der Spitze der Gemeinde bis 1887. Dann folgte Nikolaus Böttger, allerdings wegen Unregelmäßigkeiten nur für zwei Jahre. 

Die Bürgermeisterwahl des Jahres 1890 war von tiefsten politischen Leidenschaften geprägt. Friedrich Baumbach erhielt das Amt und sollte es, über die Zeit des ersten Weltkrieges hinweg, bis zum Jahre 1920 ausüben. 

Der Rathausbau

Bis dahin hatten die Bürgermeister ihre Amtsgeschäfte in der guten Stube ausgeführt. Baumbach regte an, ein eigenes Rathaus bauen zu lassen. Immerhin hatte Mihla inzwischen über 2000 Einwohner und nach der neuen Verfassung des Landes Thüringen stand der Gemeinde ein hauptamtlicher Bürgermeister zu. 

1919, in wirtschaftlich schwerer Zeit, begann der Neubau auf dem Gelände der Oberen Schäferei, am Ende der Marktstraße, nahe am „Tor“, dem mittelalterlichen Hauptzugang zum Ort. Die große Scheune der Schäferei, die zum „Roten Schloss“ gehörte und deren Abriss der neue Schlossherr Professor Binswanger genehmigt hatte, um der Gemeinde entgegenzukommen, verschwand und an dieser Stelle wurde ein stattliches Fachwerkgebäude im Thüringer Stil begonnen. 

Die Fertigstellung konnte erst 1921 erfolgen, da der Gemeinde das Geld ausging. Der 1920 neu gewählte Bürgermeister Heinrich Meyfarth musste einen Kredit in Höhe von 120 000 Reichsmark aufnehmen, ehe der Bau zum Abschluss kam. 

Neben dem Sitzungszimmer und der Amtsstube war im Rathaus die Dienstwohnung des Bürgermeisters vorgesehen. 

Das Mihlaer Rathaus gehört damit zu den seltenen Gebäuden in Landgemeinden, welches funktional ausschließlich zu diesem Zwecke errichtet wurde. Daher steht es auch unter Denkmalschutz. 

Blick in die Marktstraße, um 1910. Gut zu erkennen die Scheune der Oberen Schäferei, das zweite große Giebelhaus am Ende der Straße. Hier wurde 1919 der Bau des Rathauses begonnen. 

Das Rathaus kann viel erzählen: Im Oktober 1922 zog hier trotz heftigsten Widerstand der Lauterbacher ein gemeinsamer Gemeinderat der Orte Mihla und Lauterbach ein. Lauterbach war bis zum Mai 1922 eingemeindet worden, dann musste die Zwangsehe geschieden werden. 

1925 gewann die SPD die Wahlen und ins Rathaus zog der erste SPD-Bürgermeister Friedrich Märten ein. Dieser unterschlug 1927 Arbeitslosengelder, flüchtete, wurde verhaftet und vor Gericht gestellt. Einer der schwersten politischen Skandale entwickelte sich daraus, der im regelrechten Krawallen endete. Die bürgerlichen Parteien versuchten, in einem Volksentscheid sofortige Neuwahlen zu erzwingen und scheiterten knapp. 

Zum neuen Bürgermeister wurde mit der SPD-Mehrheit des Gemeinderates der ehemalige Eisenacher Kreisdirektor Hörschelmann gewählt. Er blieb bis 1933 im Amt und konnte viel für die Gemeinde erreichen. Allerdings war er in den letzten beiden Jahren nicht mehr handlungsfähig, da er in Ausübung der baupolizeilichen Rechte von einem Mihlaer Bürger tätlich angegriffen und schwer verletzt wurde. 

In den Krisenzeiten am Ende der 20er Jahre wurde wegen Mangels an geeigneten Räumlichkeiten mehrfach im Sitzungszimmer Schulunterricht gehalten. 

Das Sitzungszimmer erlebte im Februar 1933 eine Gewaltszene, in der die erst im November 1932 gewählten Gemeinderäte durch die eingedrungene SA gezwungen wurden, die Mandate zurückzugeben. Die NSDAP hatte auch in Mihla die Macht übernommen. Neuer Bürgermeister wurde der Kaufmann Paul Lämmerhirt, der bis zu seinem Rücktritt nach dem Einmarsch der Amerikaner 1945 die Amtsgeschäfte führte.  

Nach dem 2. Weltkrieg setzten die US-Streitkräfte zunächst Karl Eisenträger, ein ehemaliges SPD-Mitglied, als Bürgermeister ein. Über zwei weitere Amtsinhaber kam dann im Jahre 1954 durch die von der SED beherrschten Wahlen Günther Nickol in das Amt des Bürgermeisters, das er bis zur Wende im Sommer 1990 innehatte. 

Das Rathaus erlebte in dieser Zeit viele leidenschaftliche Gemeinderatssitzungen, Höhepunkte in der dörflichen Entwicklung, aber auch dunkle Stunden schlugen sich nieder. 

Der Bürgermeister wohnte schon lange nicht mehr im Gebäude, die Räumlichkeiten wurden vermietet. 

Im Herbst 1989 konstituierte sich ein Runder Tisch, der die eigentliche politische Macht im Ort manifestierte. Packende Diskussionen und Aufbruchstimmung machten sich im Sitzungszimmer breit. Unter anderen wurde in diesem Raum auch die Partnerschaft mit der Gemeinde Oberotterbach beschlossen. 

Von 1990 bis 1996 war Bürgermeister Siegfried Kaerger für die CDU Amtsinhaber. 1996 folgte für die Unabhängigen Wähler Rainer Lämmerhirt als Bürgermeister. 

Durch den Einzug der Verwaltungsgemeinschaft war das Sitzungszimmer inzwischen in die benachbarte Rathausschule umgezogen, wo auch der Bürgermeister sein Amtszimmer hatte. Diese ist inzwischen (im Jahre 2008) nach Berka und nach Creuzburg umgezogen. 


Das Mihlaer Rathaus im Jahre 1987. 

Nach der Sanierung des Gebäudes amtiert seit 2012 im Rathaus der Bürgermeister/Ortsteilbürgermeister von Mihla, gibt es Sitzungszimmer, eine Tourist-Info, den Seniorentreff und das Büro der Kontaktbereichsbeamtin sowie, dem Charakter des Gebäudes angepasst, in den oberen Etagen das Museum, welches sich der langen Geschichte der Region widmet.  

- Heimatverein Mihla -