Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

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Vor 30 Jahren… Aus der Mihlaer Chronik 

Zum 30sten Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober waren viele Erinnerungen und Feste geplant. Die Corona-Pandemie machte bei den meisten einen Strich durch die Rechnung. 

Daher wollen wir in der Mihlaer Chronik blättern und Ereignisse aus dieser Zeit, die mitunter schon vergessen sind, wieder in Erinnerung bringen. 

Folgen Sie uns in den Sommer 1990: Am 1. Juli 1990 trat der Staatsvertrag über die Währungsunion in Kraft. Die DDR-Mark wurde in die Deutsche Mark umgetauscht und zwar wie folgt: 

Im Alter bis 14 Jahre 2000 Mark 1:1

Bis 60/65 Jahre 4000 Mark 1:1

Ab 60/65 Jahre 6000 Mark 1:1 


Wer erinnert sich noch an diese Scheine? Blau waren beide, aber die Kaufkraft war schon sehr unterschiedlich. 

Alle anderen Geldbestände wurden 1:2, eine DM für 2 DDR-Mark getauscht. Gleichzeitig traten neue Postgebühren in Kraft. Die Marken trugen die Aufschrift „Deutsche Post“. Postkarten kosteten fortan 30 Pfennige und Briefe 50 Pfennige! 

Am 1. Juli konnten in Mihla die Geldmittel bei der Sparkasse auf dem Karl-Marx-Platz, der BHG-Bank in der Neustadtstraße („Mohren“) und auf der Post in der Bahnhofstraße getauscht werden. Trotz langer Schlangen verlief alles reibungslos. 

Am 2. Juli wurde die ehemalige HO-Verkaufsstelle auf dem Markt unter privater Leitung wiedereröffnet. Im Textilgeschäft war die Handelskette Mini-tex eingezogen. 

Die ehemalige kommunale Wäscherei in der Neustadtstraße eröffnete nun unter privater Führung und in der gemeindeeigenen Gaststätte „Goldene Aue“ begann Eckhard Bätzel als neuer Wirt. 

Eine Mihlaer Delegation aller Fraktionen des Gemeinderates besuchte Waldkappel, um dort einen Partnerschaftsvertrag zu unterzeichnen. Die Verwaltung in Waldkappel leistete wertvolle Aufbauhilfe in Mihla. 

Die „Drowa“ in der Thomas-Müntzer-Straße eröffnete wieder. 

Am 10. Juli fand die 4. Sitzung des neugewählten Gemeinderates statt. Themen waren u. a. Anträge der Mihlaer Ärzte auf Gewerberäume und der Antrag auf den Wiederaufbau des Mihlaer Wasserkraftwerkes durch den Sohn der ehemaligen Eigentümerin. 

Nach dem Geldumtausch begann eine tägliche Flut von Einkaufsfahrten der Noch-DDR- Bürger nach Hessen, da dort die Preise für beinahe alle Angebote wesentlich günstiger waren. Das ehemalige Zonenrandgebiet erlebte einen regelrechten Einkaufsboom. 

Am 13. Juli eröffnete die Quelleagentur in der Mihlaer Schornstraße unter Leitung von Karin Cott.


Auch das gab es 1990 in Mihla noch: Die Tankstelle am Werrastrand! 

Am 25. Juli wurde in der „Goldenen Aue“ der Mihlaer Sportverein gegründet. Er bestand damals aus den Sektionen Fußball, Kegeln und Gymnastik. Als Vorsitzender wurde Reiner Stötzel, als Stellvertreter Eckhard Krause und als Schatzmeister Peter Greger gewählt.  

Eine über dreiwöchige Hitzewelle suchte die Region heim. Die Temperaturen stiegen beinahe täglich auf 38 Grad Celsius. Sofort stellte sich ein altes Mihlaer Problem ein; Wasserknappheit im öffentlichen Netz! 

Im August gab es erstmals Kurzarbeit in Mihlaer Betrieben. Der VEB Aufbau Mihla wurde in eine GmbH umgewandelt. 

Die Vorbereitungen für ein Weinfest mit Winzern der zukünftigen Partnergemeinden begannen. Die Winzer wollten im September an mehreren Ständen am „Grauen Schloss“ ihren Wein präsentieren. 

Der Gemeinderat beschloss die Herausgabe einer Bürgerzeitung ab September. 

Der ehemalige Großbetrieb Anlagenbau wurde mit dem 1. September als GmbH mit den Namen „Landtechnik und Anlagenbau“ (LAM) umgewandelt. 

Am 3. September begann das neue Schuljahr. Neue Direktorin ist Frau Zenker aus Eisenach. Zwei erste Klassen wurden eingeschult. 

Das ehemalige Lehrlingswohnheim auf dem Sand wurde in ein Motel umgewandelt. 36 Betten standen damals zur Verfügung. 

Am 7. September erschien erstmals die neue Bürgerzeitung „Werratal“ in Creuzburg und Mihla mit einem amtlichen Teil der Kommunalverwaltungen. 

Anfang September 1990 tagte der Gemeinderat bereits zum fünften Mal. Wichtige Themen waren u. a. ein Bericht des Bürgermeisters Siegfried Kaerger zum Stand der Verhandlungen mit der Großmarktkette Rewe über den Neubau eines Einkaufmarktes in Mihla, die Übernahme von „Volkseigentum“ in kommunales Eigentum und die Begründung einer Gemeindepartnerschaft mit Otterbach in der Pfalz. 

Die Firma BTC Nowatzky GmbH - Containerdienst - wurde gegründet. 

Die Mihlaer Konsumverkaufsstelle in der Münsterstraße wurde baulich erneuert. 

Zur ersten Schulkonferenz der POS Mihla (10 Lehrer + 5 Eltern + 5 Schüler) wurde die amtierende Direktorin Frau Zänker bestätigt. Den Vorsitz der Konferenz führte die 1. Beigeordnete der Gemeinde, Frau Göthling.

Zum nunmehr amtlichen „Tag der deutschen Einheit“, dem 3. Oktober, wird durch die Gemeinde ein Festprogramm vorbereitet. Neben einer öffentlichen Festsitzung des Gemeinderates in der „Goldenen Aue“ mit Teilnahme der Partnergemeinden aus Oberotterbach, Otterbach und Waldkappel soll es dann am 3. Oktober einen musikalischen Frühschoppen am „Grauen Schloss“, einen Gottesdienst in der St. Martinskirche sowie ein Freundschaftsspiel der Fußballmannschaften aus Waldkappel und Mihla geben. Geplant ist auch ein Markttreiben auf dem Festplatz mit einer Weinverkostung durch die Winzer der Partnergemeinden sowie eine Tanzveranstaltung am Abend. 

Am 1. Oktober musste der Gemeinderat zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Die noch nicht fertiggestellten Wohnblocks am Hainberg mit 72 geplanten Wohneinheiten müssen fertiggestellt werden. Dazu wäre eine Kreditaufnahme durch die Gemeinde in Höhe von 4,5 Millionen DM nötig. Der Gemeinderat lehnt dies mehrheitlich ab. Als Folge muss ein Baustopp ausgesprochen werden. 

Wie geplant verlief der 2. Oktober, der Vorabend des „Tages der deutschen Einheit“. Die Festveranstaltung in der „Goldenen Aue“ wurde gut besucht. Als Festredner trat Herr Grünert als Spitzenkandidat der CDU für die anstehende Landtagswahl auf. Die Partnergemeinden entrichteten Grußworte. 

Um Mitternacht versammelten sich viele Mihlaer und ihre Gäste auf dem Marktplatz. Dort schenkte die Feuerwehr aus und die „Werrataler Musikanten“ intonierten um 24.00 Uhr zuerst die DDR-Hymne und dann das „Deutschlandlied“. Abschließend wurde der Choral „nun danket alle Gott gespielt, ehe ein Feuerwerk den Festtag abschloss. 

Am 3. Oktober fand das Volksfest bei strahlendem Wetter statt. 

Kaum sind die Feierlichkeiten um die deutsche Einheit vorbei, da begann der Wahlkampf um die Mandate zum ersten Thüringer Landtag mit voller Wucht. Der Ort wurde mit Wahlplakaten überschwemmt. 

Dazu demnächst mehr. 

- Ortschronist Mihla -