Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

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Neue Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte unseres Ortes Mihla- Mihla könnte sich aus zwei Ansiedlungen heraus entwickelt haben - Teil 3 

Im zweiten Teil unserer Betrachtungen hatten wir herausgearbeitet, dass sich im Verlauf des 13. Jahrhunderts zwei Siedlungskerne in unserem heutigen Ortsbild entwickelt haben könnten. Einmal die zum Rittersitz der Kemenate in der Werraniederung (heute „Graues Schloss“) gehörende bäuerliche Siedlung, und ein Siedlungskern der vom Tafelgut der Erzbischöfe von Mainz abhängigen Bauern und des Gesindes. Weiter waren Gedanken zur Lage des Mainzer Fronhofes dargestellt worden, den wir im Bereich des heutigen „Roten Schlosses“ vermuten. 

Die Mainzer Heberolle nennt diese Verhältnisse recht deutlich: 40 Hofstätten, etwa 250 Menschen, lebten in direktem Verhältnis zum Wirtschaftshof und sicher auch in dessen direkter Umgebung. Bei genauer Betrachtung der Lokalitäten erschließen sich diese Aussagen noch heute. 

Hinzu kommt, dass die Straßenbezeichnung „Auf dem Eisfeld? und „Eisfeldstraße? ebenso wie die „Dietzelsgasse?, die in ihrer ursprünglichen Straßenführung vom Wirtschaftshof zu einer Furt in der „Mihla? und dann weiter in die spätere Schlossgasse einmündend die Verbindung zum Kirchenbereich erschloss, die Lage des Mainzer Dorfes erkennen lassen. Auf den Katasterkarten ist die gewachsene Struktur dieses Siedlungsbietes ebenso fassbar wie auf Luftbildaufnahmen. „Eisfeld?, dieser Straßenname erfuhr in den Versuchen seiner fachwissenschaftlichen Erklärung verschiedene Deutungen (Zuletzt: Fuchs, J., Einige Überlegungen zu den Flurnamen vom Typ Eisfeld www.namenkundliche-informationen.de/.../NI_99-100_2011_Fuchs.pdf, sowie: HEIMATBUND THÜRINGEN, Flurnamenforschungen, Veröffentlichter Protokollband  www.heimatbund-thueringen.de FN-Report_2011-2.pdf.) 

Neben der Tatsache, dass er sogar als Stadtname vorhanden ist gab es immer wieder Irritationen durch die Bezeichnung „Eichsfeld?. 

Letztlich ist für unseren Ort von besonderer Bedeutung, dass es in den letzten Jahren durch archäologische Grabungen, so in Weimar, gelungen ist, den besonderen Charakter jener „Eisfeld?-Fluren heraus zu arbeiten, die in Ortslagen von Städten und Dörfern zu finden sind.

Ableitungen sind daher erlaubt und erscheinen für die Mihlaer Situation aus meiner Sicht als logisch: Danach würde die Bezeichnung „Eisfeld? einen alten Siedlungskern bezeichnen, der über eine eigene Gerichtsbarkeit verfügte und vor der Entstehung der eigentlichen Siedlung bereits aktiv war. 

Dies wiederum beschreibt genau die Situation, die wir in der Mitte des 13. Jahrhunderts in Mihla antreffen. Es bestehen mindestens zwei Siedlungskerne, einmal südlich der Lauter um den Mainzer Wirtschaftshof, und dann ein weiterer Kern, der sich um den Adelssitz, dem heutigen „Grauen Schloss“, und um die Kirche entwickelt hat, von dem wir allerdings nicht wissen, wann diese Siedlungsfläche auf einer Schotterterrasse oberhalb der Werra, die heutige Straße „Am Anger? sowie die „Thomas-Müntzer-Straße?, (die alte „Schlossgasse?) tatsächlich entstanden ist. 


Katasterauszug der heutigen baulichen Situation „Rotes Schloss“/Eisfeld/Dietzelsgasse. Die historisch gewachsene Siedlungsstruktur für diesen Bereich ist gut zu erkennen. Hier erschließt sich bis zur Lauter die Mainzer Siedlung, die bereits in der Heberolle von 1247/48 genannt wurde und die etwa 40 Hofstätten umfasste. Dieser Bereich gehört zu den ältesten Siedlungshorizonten der späteren Großsiedlung Mihla. 


Diese Luftbildaufnahme vom Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zeigt die damals noch vorhandene Bausubstanz des „Roten Schlosses“ mit dem erhöht stehendem Herrenhaus rechts am unteren Bildrand. Nach rechts folgend und bis zur Lauter schließt sich die von uns angenommene uralte Bebauung aus der Zeit des Mainzer Hofes an. Diese Siedlungsstruktur hat sich bis heute nur wenig verändert und bietet tatsächlich Platz für etwa 40 Hofstätten in der für das 13. Jahrhundert anzunehmenden Parzellengröße abhängiger Bauern, Foto Ortsarchiv Mihla. 

Weiterhin dürften auch entlang der „Mihla?, auf beiden Seiten der heutigen Lauter, die Straßen „Am Bach?, sehr frühe Ansiedlungsflächen, vielleicht der Erstsiedler, gelegen haben. 

Die nachfolgende Skizze verdeutlicht die aus unserer Sicht bestehenden drei Siedlungshorizonte, aus denen sich dann im Verlauf der nachfolgenden Jahrzehnte der Ort Mihla entwickelt hat. Die Lauter blieb dabei die Grenze zwischen „Ober- und Unterdorf?, eine Trennung, die noch heute so bekannt ist, wobei die Besiedlung des Oberdorfes, des Höhenrückens zwischen Marktplatz und Rathaus und die „Neustadtstraße? erst recht spät erfolgte. 

Zurück zum Mainzer Wirtschaftshof des 13. Jahrhunderts und seiner Lokalisierung. Seit dem Jahre 2009 gibt es nun Gewissheit, dass das heutige „Rote Schloss“ zumindest einen Vorgängerbau besaß. Bei den im Auftrag des Amtes für Denkmalpflege durchgeführten Untersuchungen zur Baugeschichte und zum Bauzustand der Schlossgebäude wurden zunächst dendrochronologische Untersuchungen an den Balkenkonstruktionen durchgeführt, die das bisher angenommene Erbauungsjahr des Haupthauses um 1580 bestätigten. Weitere spätere Bauphasen am Haupthaus und an den meist jüngeren Nebengebäuden konnten ebenfalls nachgewiesen werden. 

In den drei unter dem Haupthaus liegenden Tonnenkellern stieß man jedoch an mehreren Stellen auf ältere Bausubstanz. So konnten alte Stützmauern und zugemauerte Zugänge gefunden werden, deren Bauausführung in die spätgotische Zeit, also in die Jahre nach 1250, zurückweisen und zu einem älteren Gebäude gehören. Besonders sichtbar wird diese ältere Bausubstanz im Zusammenhang mit der früheren Eingangsgestaltung, die vermuten lässt, dass diese Bauteile ursprünglich nicht einem Keller zuzuordnen sind, sondern das die älteren Gebäude gegenüber dem heutigen Bauhorizont um Einiges tiefer gelegen haben. Sehr schön erhalten hat sich hier eine gotische Türöffnung, die bis zu ihrer Wiederentdeckung zugemauert und verputzt war. 


Ein sauber behauener gotischer Spitzbogen zu einem Ein- oder Ausgang, der heute nirgends hinführt, bis vor wenigen Jahren zugemauert und verputzt, Foto Autor. 

In späteren Jahren, vermutlich mit dem Ausbau der noch bestehenden Baureste zum Rittersitz der Familie von Harstall, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, wurden die noch vorhandene steinerne Bausubstanz in die neuen Gebäude einbezogen und wurden so zum Bestandteil der heutigen Kelleranlage. Auch für einen Abschnitt des nordwestlichen Torgebäudes konnten ältere Bauteile erkannt werden, was bedeuten würde, dass der Vorgängerbau des „Roten Schlosses“ bereits weitläufig war und über mehrere Gebäude verfügte. Beim Neubau des Jahres 1581 wurde also die bereits noch vorhandene ältere Bausituation einbezogen. 

Kein Zweifel, bei den Untersuchungen im Jahre 2009 ist man auf die Reste des Mainzer Wirtschaftshofes gestoßen. Damit bestätigen sich die bereits weiter oben angeführten günstigen Voraussetzungen, weshalb ein solches Bauwerk gerade an dieser Stelle entstehen konnte. 

-Schluss-