Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

036924/47428

 

Creuzburg – Ebenshausen – Mihla, nun im Amt Creuzburg vereint 

Mit dem 1. Januar 2020 schlossen sich die bis dahin politisch selbständigen Gemeinden Creuzburg, Mihla und Ebenshausen zu einer neuen Einheitsgemeinde zusammen. Diese neue kommunale Struktur erhielt nach dem Willen der Gründerväter den Namen „Amt Creuzburg“ und wird als Stadt geführt. 

Die Gemeinden Creuzburg, Mihla und Ebenshausen sind damit Stadtteile geworden. Die Zukunft wird zeigen, wie sich dieses neue kommunale Gebilde entwickelt. 

Alle drei Gemeinden können auf eine lange Vergangenheit zurückblicken. Creuzburg und Mihla zählen zu den ältesten Siedlungen im Werratal, Ebenshausen ist etwas jünger. Aber alle drei verbinden frühere gemeinsame Strukturen, hängen in ihrer Entstehung und Entwicklung in diesen Strukturen viel enger miteinander zusammen, als man gemeinhin von Nachgemeinden erwarten kann. 

Im Jahre 775 schenkte der fränkische König Karl der Große auf einem Reichstag in Düren bei Aachen die Einkünfte aus seinem Königsgut Milingen dem Reichskloster Hersfeld (Dobenecker, Otto, Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringia, Jena 1896, Bd.1, Nr. 33). 

Damit begannen die Wirkungen jener gemeinsamen Strukturen, die die genannten Orte über die nächsten Jahrhunderte verbinden würden; Verwaltung, militärischer Schutz, Rechtssprechung, christlicher Glaube, aber auch wirtschaftliche Verbindungen. 


Blick auf Creuzburg, Aufnahme um 1936, Archiv Autor. 

Daher ist der Namensgebung „Amt Creuzburg“ auch aus diesen Aspekten zuzustimmen, über das Königsgut und die Vogtei der Creuzburg bis hin zum Amt Creuzburg, in dieser Namensgebung finden sich alle drei Kommunen wieder und nicht nur diese, sondern mit diesem Namen sind auch die Tore geöffnet für andere Gemeinden, die einmal dazu gehörten. 

Im Jahre 1170 gelang es den Landgrafen aus der Familie der Ludowinger, die Creuzburg oberhalb der Werrafurt zu erwerben. 

Diese Jahreszahl wird meist angesetzt, um den entscheidenden Baubeginn der Landgrafenburg zu benennen. 

1213 gilt als das Jahr der urkundlich ersten Erwähnung der Stadt Creuzburg (800 Jahre Creuzburg, Festschrift, Creuzburg 2013). 

Im Jahre 1987 feierte die Gemeinde Mihla mit großem Aufwand ihre erste urkundliche Erwähnung vor 1200 Jahren. Die dazu genutzte Urkunde ist hinsichtlich des Zeitpunktes der darin vermeldeten Güterschenkung nicht klar datiert. 

Sie steht aber im Zusammenhang mit der kirchlichen Missionierung des mittleren Werratales, bei der durchaus eine solche frühe Mission von Hildesheim bzw. der Vorgängereinrichtung in Elze ausgegangen werden kann. 

Im Verlauf des 9. Jahrhunderts wurde das Gebiet Thüringens enger an das Frankenreich angegliedert. Dies geschah neben der Verdichtung der Krongüter auch durch eine Neuordnung der Gauverfassung und die Einführung des Grafschaftswesens. 

Ganz entscheidende Impulse gingen von einer verstärkten christlichen Einflussnahme aus. In einer ersten Phase der Missionierung im 7. Jahrhundert hatten bereits christliche Priester aus weit entfernten fränkischen Kirchen und Klöstern in enger Zusammenarbeit mit den weltlichen Verwaltungsträgern erste christliche Stützpunkte in Thüringen errichtet.

Besonders in der spätgermanischen Adelsschicht muss ihr Wirken bereits erheblich gewesen sein.  Durch ihre Geschichte sind die beiden Nachbarkommunen Creuzburg und Mihla auf das Engste miteinander verbunden. Schon die ersten erhaltenen schriftlichen Nachrichten sprechen von einer gemeinsamen Wurzel, dem fränkischen Königshof Milingen. 

Aus ihm entwickelte sich die spätere Stadt Creuzburg, aber auch die anzunehmende Bezeichnung für die gesamte Region am Mittellauf der Werra schließt den benachbarten germanischen Siedlungsort, das spätere Mihla, mit ein. Hier entstand eines der frühen christlichen Zentren. 

Creuzburgs weiterer Entwicklungsweg verlief dann immer stärker von städtischen Strukturen geprägt. Die günstige Lage an einem schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts mit einer steinernen Brücke versehenen Flussübergang, die Entwicklung der Creuzburg zur Nebenresidenz der Landgrafen aus der Familie der Ludowinger und deren Wille zur Stadtgründung beförderten dies. 

Für Mihla trafen diese Voraussetzungen nur in geringem Maße zu. Zwar gab es auch eine Flussquerung durch eine bis in das 14. Jahrhundert zurück nachweisbare Werrafähre und einen frühen Burgsitz, die Kemenate, sowie gebunden an die St. Martinskirche als Urpfarrei und Sedes intensive religiöse Beziehungen zu den der Sedes Mihla angeschlossenen Pfarrkirchen, aber die privilegierenden Möglichkeiten der Landgrafen fehlten letztlich, um der Altsiedlung Stadtrechte zu verleihen. 

Vielmehr wurde die Siedlung zwischen den Ansprüchen der Klöster Fulda, des Erzbistums Mainz und der Landgrafen regelrecht zerrieben. 

Während also Creuzburg den Weg zur mittelalterlichen Stadt einschlagen konnte, blieb Mihla siedlungspolitisch ein „Dorf“, wenn auch mit Markt- und Münzrechten. 

Trotzdem gab es weiterhin viele verbindende Elemente; so die Werra, die bis Creuzburg lange Zeit schiffbar war und in Mihla einen Stapelplatz hatte, die regionalen Adelsfamilien wie die von Creuzburg und vor allem die Harstalls, aber auch die „Herren von Mihla“, die in beiden Orten Fuß fassten und lange Zeit die Politik bestimmten. Auch über die Handelsstraßen war man weiter miteinander eng verbunden. Dies betraf die Geleitrechte ebenso wie die über die Straßen bis hin nach Mühlhausen und über den Hainich beförderten Waren.  


Blick auf den heutigen Ortsteil Mihla mit der St. Martinskirche und dem Grauen Schloss. 

Für Creuzburg bedeutete die Verleihung der Stadtrechte und die zentrale Lage nicht nur günstige Voraussetzungen der Stadtentwicklung. 

In beinahe jedem der zahlreichen Kriegsläufe wurde die Stadt von Durchzügen, Einquartierungen, Belagerungen und Plünderungen heimgesucht, besonders intensiv in der Zeit des Thüringer Erbfolgekrieges, des 30jährigen und des Siebenjährigen Krieges und zuletzt existenziell in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges. Die Zerstörungen - hinzu kamen die häufigen Stadtbrände, so die verheerenden von 1765 und 1782 - unterliefen die weitere städtische Entwicklung Creuzburgs, zudem fehlte in der schmalen Werraaue der nötige Platz, um sich in Zeiten der Industrialisierung ausbreiten zu können. 


Die Creuzburg, über Jahrhunderte Sitz des Amtes Creuzburg, zu dem die Stadt Creuzburg ebenso gehörte wie Mihla und Rechte in Ebenshausen. 

Obwohl seit dem 15. Jahrhundert Amtsstadt; Mihla war als eines der Adelsdörfer Bestandteil des Gerichtsamtes Creuzburg; kam die städtische Entwicklung nicht über den Status eines „Ackerbürgerstädtchens“ hinaus. 

Daran änderte auch der im Jahre 1907, wiederum gemeinsam mit Mihla, und Ebenshausen (Bahnhof Frankenroda/Ebenshausen) erfolgte Bahnbau einer Verbindungsstrecke zwischen Eisenach, Eschwege und Mühlhausen, nur wenig. Zuletzt behinderte Creuzburgs Lage im Grenzgebiet der DDR zu Hessen und die sich daraus ergebenden Einschränkungen eine erfolgreiche Entwicklung.

So blieben die beiden benachbarten Kommunen, die heute die politische und wirtschaftliche Situation im mittleren Werratal ganz entscheidend prägen, lange Zeit Konkurrenten, aber immer auch Partner und in gewissem Maße voneinander abhängig. 

Diese Entwicklungen spiegeln sich auch im gegenseitigen Begegnen der Bürger wider, eine Situation, die mit vielen Befindlichkeiten noch heute, in unserer modernen Zeit, spürbar ist. 

Lassen Sie uns daher in Kenntnis der Vergangenheit den Schritt in die Zukunft gemeinsam wagen! 

Ebenshausen (urkundliche Ersterwähnung 1229) kam im 16. Jahrhundert über die „Werthäuser Flur“ unter die Verwaltung des Amtes Creuzburg, blieb jedoch lange Zeit territorial im Nachbaramt „Haineck“. Persönliche Bindungen entstanden jedoch trotz der Landesgrenzen. 

Trotzdem: Es bleibt die Aussage, Creuzburg, Mihla und Ebenshausen haben mehr Gemeinsames als Trennendes. Dies ergibt sich aus der langen Geschichte dieser beiden Orte, die zu den ältesten im mittleren Werratal zu rechnen sind. 

  Rainer Lämmerhirt
- Bürgermeister des Amtes Creuzburg -