Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

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Aus alten Gemeinderatsprotokollen 

Seit dem Jahre 1887 liegen im Mihlaer Archiv die Protokolle der Sitzungen des Gemeinderates vor. Schauen wir uns heute an, womit sich die Gemeindeväter vor 115 Jahren beschäftigt haben. 

Ein Problem war die Arbeit des Flurschützen. Dieser wurde von der Gemeinde angestellt und hatte in der Flur der Gemeinde für Ordnung zu sorgen. Dafür konnte nur eine vertrauensvolle Person eingesetzt werden, galt es doch auch, strafbare Handlungen wie Raub von den Feldern und ähnliches zu ahnden. 

Auf der Sitzung des Mihlaer Gemeinderates am 5. Dezember 1887 wurde der Antrag gestellt, den bisherigen Flurschützen Heinrich Illert auch für das nächste Jahr behalten zu wollen. Bürgermeister Ernst wurde beauftragt, diesem mitzuteilen, dass er „...seine Schuldigkeit nach allen Richtungen hin erfüllen (müsse), widrigenfalls (könne) er auch mitten im Jahre entlassen werden". 

Verabschiedet wurde auch der Gemeindehaushalt für das Jahr 1888: In den Einnahmen waren 10.415 Mark und 8 Pfennige veranschlagt. Ausgegeben werden sollten 8.809 Mark und 2 Pfennige! (zuletzt belief sich sich der Haushalt der Gemeinde Mihla auf etwa 3.5 Millionen Euro im Jahr). 

Die erste Ratssitzung im neuen Jahr fand bereits am 4. Januar 1888 statt. Auf der Tagesordnung stand die Neuwahl des Vorsitzenden des Rates. Gewählt wurde Herr Baron August von Harstall, sein Stellvertreter wurde Gottlieb Böttger. 

Ein neues Problem trat auf, als sich Bürgermeister Sebastian Ernst im April 1888 schriftlich an den Gemeindevorstand wandte und aus gesundheitlichen Gründen um Entlassung aus dem Amt des Bürgermeisters bat. 

Im Protokoll wurde vermerkt, „...daß Herr Bürgermeister Ernst sein Amt in einer langen Reihe von 20 Jahren gewissenhaft und treu verwaltet habe..." Der Rat bedankte sich für seine Arbeit und stimmte dem Antrag auf Entlassung zu. 

Bei den nun durchgeführten Neuwahlen des Bürgermeisteramtes wurde als Nachfolger N. Böttger gewählt, der schon zur Sitzung im September 1888 anwesend war. 

Auf dieser Sitzung wurde der Antrag des Bäckers Karl Neuendorf (Bäckerei Eichholz in der Münsterstraße) behandelt. Er beabsichtigte, einen Abwasserkanal quer durch die Münsterstraße zum Honiggraben zu legen. Der Gemeinderat stimmte dem Antrag zu, gab aber den Hinweis, dass durch den Bau des Kanals nicht die Wasserleitung geschädigt werden dürfe, die vom Maßholder zur Speisung des Marktbrunnens verlaufe. Weiterhin habe er Sorge zu tragen, dass das durch den Kanal abfließende Brauchwasser die Anlieger im Honiggraben nicht belästige. 

Interessante Dinge werden hier geschildert! So war also noch vor gut 130 Jahren das Abwassersystem organisiert! Letztlich offene Gräben, die dann das Abwasser der Lauter oder der Werra zuleiteten. Auch die noch aus dem Mittelalter stammende Wasserleitung zum Marktbrunnen, die dann vor dem Haus Machon einen kleinen Born speiste, war damals noch vorhanden. 

Ein neues Problem wird die Einrichtung einer Ortskrankenkasse. Damit hatte sich der Gemeinderat im Jahre 1889 zu beschäftigen. Hierzu demnächst mehr. 

- Ortschronist -