Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

036924/47428

 

Alte Gasthöfe 

Gasthöfe gab es früher in jedem Dorf. Sie spielten eine wichtige Rolle im Alltagsleben, boten aber auch Reisenden die Möglichkeit einer Unterkunft für die Nacht. 

Manche dieser Gasthöfe haben bereits eine sehr lange Geschichte. Besonders an Orten, an denen Märkte entstanden oder Handel getrieben wurde, entwickelten sich Gasthöfe zu regelrechten Herbergen. In Mihla traf das für die „Rote Herberge“ (später „Schwan“) und die „Schwarze Herberge“, später „Mohren“, zu. Ihre Wurzeln reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück. 

In der Kaiserzeit entstanden neben den traditionellen Gasthöfen und Herbergen gleich mehrere weitere „Wirtschaften“. Vor allem die „Goldene Aue“ wurde in der Folge bekannt, da der findige Besitzer Engelhardt auch einen Saal und eine Kegelbahn errichten ließ und in günstiger Lage zum Bahnhof hin Fremdenzimmer anbot. 

Aber auch an der Hauptstraße nach Mühlhausen zu entstand unterhalb des Propels, damals ebenfalls sehr günstig gelegen, der Gasthof „Zum Werrablick“. 

Der Name war gut gewählt, denn von den großen Panoramafenstern der Gaststube hatte man einen vorzüglichen Blick auf die Werra und den Mühlwasserarm, die beide direkt unterhalb des Gasthofes flossen. 

Der damalige erste Besitzer Wieditz war sehr geschäftstüchtig, erwarb Brauereirechte und richtete sogar eine eigene Bierbrauerei ein. Am Hang zur Werra hin sind noch heute die tiefen Bierkeller zu finden, die damals in bereits bestehende ältere Keller eingebaut wurden. 

Neben der Brauerei im „Roten Schloss“ wurde am „Werrablick“ Mihlaer Bier gebraut und gleich an Ort und Stelle verkauft. Leider hat sich bis heute eine Aussage über die Qualität des Getränkes nicht erhalten! 

Um 1890 ging die Brauerei in Konkurs. Der Gasthof, günstig an der Straße nach Mühlhausen gelegen, blieb erhalten und befand sich in den 20er Jahren im Besitz von Christoph Nowatzky. 


Der Gasthof „Zum Mohren“ kurz vor dem Abriss. 

Das Gasthaus an der Mühlhäuser Straße erlebte bewegte Zeiten. Dort wurde zum Beispiel die Ortsgruppe der Kommunistischen Partei (1932) gegründet. 

Später versammelten sich im Gastraum immer wieder die Mitglieder und Anhänger der NSDAP, der „Werrablick“ stand häufig im Mittelpunkt politischer Auseinandersetzungen. Heute steht das Wirtshaus, welches Anfang der 90er Jahre sogar einen Erweiterungsbau mit Fremdenzimmern und einem neuen Gastraum erfuhr, seit vielen Jahren leer und verfällt. 

Die „Goldene Aue“ ist gut saniert, aber auch seit Jahren ohne Pächter. „Schwan“ und „Mohren“ sind abgerissen. 

Gastronomie in Thüringen ist auch ohne Coronapandemie zurzeit wohl ein sehr schwieriges Geschäft. 


Solche Aufnahmen wie die zu einer Kirmesfeier vor der Wirtschaft „Zum Werrablick“ in den 50er Jahren gehören der Vergangenheit an. 


Der Gasthof „Zum Schwan“ in seinen besten Zeiten. 

- Ortschronist -