Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

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Archäologische Entdeckungen rund um Mihla: Ein mittelalterliches Bergwerk im Mihlaer Tal? 

Mihlas Wanderwegewart Jörg Rödel ist immer mit wachen Augen auf seinen Touren im Hainich unterwegs. 

Es gelang ihm, den Thüringer Archäologen Dr. Grasselt schon zweimal zu Erkundungen nach Mihla zu holen. 

Bei der letzten gemeinsamen Begehung zusammen mit Ortschronist Rainer Lämmerhirt ging es um eine Burganlage, so vermutete Jörg Rödel, die er vor einiger Zeit am Hang des Wernershäuser Berges zum Mihlaer Tal hin entdeckt hatte. 

Gemeinsam ging es gegenüber der Einmündung des Hörschelbornweges in den Talweg den Steilhang hinauf. Unwegsames Gelände, keine alten Wegespuren waren erkennbar. Im oberen Bereich des Hanges dann: Eine Trockenmauer aus Kalksteinen, eine durch Menschenhand hergestellte kleine Schlucht in den Berghang hinein und ein aufgeschütteter Hügel von gut 10 Meter Durchmesser und noch durchaus drei Meter Höhe! 

Der erste Blick des Fachmannes Dr. Grasselt auf diese erstaunliche Anlage: Keine Burg, an einer Stelle, an der der Angreifer immer über dem Verteidiger kämpfen kann, das macht militärtechnisch keinen Sinn! Das war allen Teilnehmern dann auch gleich klar. Aber um was handelt es sich denn hier? 

Dr. Grasselts Einschätzung war dann sehr interessant: Es könnte sich um ein aufgelassenes Bergwerk handeln! 

Tatsächlich, alles trifft zu: Die Schlucht, die wohl früher zum Mundloch führte (unter Mundloch versteht man in der Bergwerkssprache den Eingang zu einem Stollen an der Erdoberfläche), eine Pinge (eine Vertiefung, die durch Bergbautätigkeit entstanden ist, ein durch Schurf entstandenes einfaches Bergwerk) und dahinter die Halde mit aufgeschüttetem Material aus dem Stollen. Pinge und Halde wurden offenbar durch die noch gut erhaltene Trockenmauer gesichert und gefestigt. Einige Steine sind auch allerdings ins Tal hinab gerollt und verteilen sich über den Steilhang.


Links, Blick auf die Halde. Davor mit einer Trockenmauer eingefasst die Pinge eines möglichen Bergwerkes. 


Direkter Blick in die Pinge, am Ende die noch heute bestehende Wand mit dem verschlossenen Mundloch, Situation Dezember 2018. 

Eine erstaunliche und bisher völlig unbekannte Entdeckung! Ein Bergwerk bei Mihla? Da drängen sich sofort Fragen auf, wie, wann ist das entstanden, was wurde abgebaut, wem gehörte das? 

Gehen wir der Reihe nach und versuchen einen ersten, allerdings aufgrund des Fehlens von Bodenfunden und schriftlichen Belegen, sehr unsicheren Erklärungsversuch. 

Bergbau in unserer Region gab es tatsächlich. Bekannt wurden die über Jahrhunderte hinweg betriebenen Bergwerke um Ruhla und um Stedtfeld. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts erfolgte, vom sächsischen Erzgebirge ausgehend, ein regelrechtes "Berggeschrei". Die dort gemachten Silberfunde beflügelten Landesherren und Unternehmer, an allen möglichen Stellen nach Erzen zu graben. Im Vordergrund standen neben den traditionellen Eisenerzen Silber, aber auch Kupfer, besonders in unserer Region, und Schwerspat. 

Während man im Raum Ruhla und Stedtfeld durchaus erfolgreich war, dürften Schürfversuche im Hainich wenig Aussicht auf Erfolg gehabt haben. Hier liegen Schichten der Wellenkalk-Folge, Anhydrit- und Muschelkalk-Folge, die zum mesozoischen Deckgebirge gerechnet werden. Und diese Gesteinsschichten, so die Experten, sind in Thüringen weitgehend frei von Erzlagerstätten. Die mitunter vorhandenen Erzeinlagerungen von Zinn und Blei sowie von Kupfermineralen in örtlichen Schichten des Bundsandsteins, meist am Gestein erkennbar durch grüne und blaue Färbungen, sind so gering, dass sie nicht abbauwürdig waren, aber im Mittelalter oft Anlass für letztlich vergebliche Bergbauversuche boten. So könnte es auch im Mihlaer Tal gewesen sein. Vielleicht stand der angenommene Bergbauversuch mit der Siedlung Harstall in Verbindung, die direkt unterhalb des Bergwerkes im Tal des Artelsbaches lag und 1436 bereits als "wüst", also eingegangen, vermeldet wurde. 

Das es tatsächlich Bergbauversuche in unserer Region gab, ist schriftlich nachweisbar: Im Jahre 1504 bestätigte der sächsische Herzog Friedrich dem Ritter Georg von Hopffgarten, Amtmann auf der Haineck, 5 Lehen und ein Wehr für das Bergwerk Taubental (Urkunde im Hauptstaatsarchiv Weimar). Dabei handelt es sich um die spätere Wüstung Taubenthal an der Straße von Nazza nach Falken, Luftlinie nur etwa 10 Kilometer vom Mihlaer Tal entfernt. 

2005 gab es eine Begehung des dort vermuteten Standorts eines Bergwerkes durch Bodendenkmalpfleger. Dabei wurde am Waldrand des Rosskopfes, gut 500 m nordnordwestlich der Ruinenstätte des Taubenthals, eine Pinge gefunden. Die zugehörige Halde hatte einen etwa sechs Meter starken Durchmesser und erhob sich noch 1,50 Meter über die Umgebung, also durchaus ähnliche Zustände wie im Mihlaer Tal. 

Offenbar war jedoch dem Bergbauversuch bei Nazza kein Erfolg beschieden, spätere schriftliche Nachweise konnten bisher nicht gefunden werden und in der mündlichen Überlieferung gibt es auch keine Hinweise. 

Bleibt die Frage, wer hat den möglichen Bergbauversuch bei Mihla veranlasst? Da dürfte die Antwort klar sein. Waldstück und das darunterliegende Tal waren vor über 500 Jahren im Besitz der Familie von Harstall, die damals im späteren „Grauen Schloss“ in Mihla Herrschaft ausübten. Die Siedlung Harstall mit der Burganlage der Ritter, die auf dem "Eierberg" vermutet wird, der Ausgangspunkt der Familie, lag zu Füßen der Anlage und die Harstalls dürften die nötige Ortskenntnis besessen haben. 

Auf einen weiteren interessanten Zusammenhang sei verwiesen. In Mihla gibt es die sehr alten Flurbezeichnungen "Cuxhof" und "Am Cuxhof". Eine Klärung der Flurbezeichnung aus regionaler Sicht war bisher nicht möglich, aber es bestand der Verdacht, dass ein "Cuxhof" im Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Begriff der "Kuxe" stehen könnte.

Unter einer Kuxe (aus lat. cuccus = Stamm, Schicht, Anteil...) verstand man seit dem 15. Jahrhundert Inhaber von Anteilen aus einer Bergwerksgenossenschaft. Damit könnte die Mihlaer Flurbezeichnung durchaus mit der Kennzeichnung eines Hofes zusammenhängen, dessen Inhaber einst Besitzer einer Kuxe, eines Anteils an einem Bergwerk, war. Die heutige Straße "Am Cuxhof" trifft dann sicher, wenn es nicht einer der Bauernhöfe "Auf dem Eisfeld" war, auf das „Rote Schloss“ zu, oder, im 15. Jahrhundert, auf den Vorgängerbau. Das gesamte Gebiet des „Roten Schlosses“ wird noch heute als "Cuxhof" bezeichnet. 

Sicher sind dies alles bisher nicht eindeutig bewiesene Vermutungen, aber es könnte so gewesen sein... 

Warten wir weitere Entdeckungen ab. 

Rainer Lämmerhirt