Premiere im Amt Creuzburg

Der Saal im „Klostergarten“ war gut mit erwartungsvollen Zuschauern gefüllt, aus allen Ortsteilen der Stadt. Dazu kamen die Profimacher des Filmes, der an diesem Abend erstmals vorgestellt werden sollte. 

Der Creuzburger Carnevalsclub hatte dankenswerter Weise den Ausschank von Getränken übernommen. Allerdings war die Filmdauer von gut acht Minuten wenig dazu angetan, gleich intensiv bei den Getränken zuzuschlagen, da musste man sich den nachfolgenden Spielfilm „Honig im Kopf“ schon noch anschauen… 

Worum ging es bei der Filmpremiere? Im letzten Jahr entschloss sich die Stadt Amt Creuzburg auf Anfrage der in unserer Region verwurzelten ehemaligen Staatssekretärin Katja Böhler, nunmehr Präsidentin der Stiftung für Engagement und Bildung, an einem ganz außergewöhnlichen Wettbewerb teilzunehmen. 

Im Cineflex-Programm sollte ein Kurzfilm entstehen, der von Freiwilligen aus den teilnehmenden Kommunen selbstständig anhand eines zu gestaltenden Drehbuches eine Geschichte über die eigene Stadt erzählen sollte. 

Rasch erfolgte eine Einladung, an Vereine, Clubs und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Nach intensiven Gesprächen miteinander und untereinander und bei wechselnden Teilnehmern wurde rasch klar, der Teufel liegt im Detail. Acht Minuten für fünf Ortsteile, das geht nicht. Dann kamen die rettenden Gedanken für das Drehbuch: Gemeinsam Geschichten erzählen: Zum Beispiel, wie fühlt sich Heimat an? Was ist in einer Kommune wichtig und welche Menschen prägen eine Gemeinde? Und wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Gerade der letzte Gedanke erschien der Teamgruppe wichtig, war doch unsere Stadt Amt Creuzburg erst vor sechs Jahren aus ganz unterschiedlichen Gemeinden entstanden. 


Projektleiterin Marie Moissl und Bürgermeister Toni Nickol (er vertrat von Seiten der Stadt die Projektgruppe) eröffnen den Kurzfilm. 

Diskussionen über Diskussionen im Team. Dann stand das Drehbuch. Federführend dabei waren Mario Salzmann aus Mihla, Toni Nickol und Jörg Ruppert aus Creuzburg. 

Der Junge Bjarki Meiland aus Mihla hat in der Schule den Auftrag bekommen, sich mit der Geschichte seiner Heimatstadt Amt Creuzburg zu beschäftigen und vor allem die Frage zu klären, weshalb und wie haben sich 2020 mehrere bis dahin selbständige Gemeinden zu einer neuen Stadt zusammengeschlossen und was ist nach sechs Jahren daraus geworden. 

Also machte er sich auf die Suche und verabredet sich auf der Creuzburg, denn mit deren Namen hat wohl alles etwas zu tun, mit der Gästeführerin Julia Patzenhauer. 


Ein Blick in den Kinosaal. 


Eine der vielen Drehszenen mit Bjarki, hier mit Regisseur und Thomas Andres und den Feuerwehren der Stadt. 

Man trifft sich direkt vor dem Bonifatiuskreuz auf der Burg und schon beginnt die spannende Diskussion. Rein zufällig kommt da Bürgermeister Rainer Lämmerhirt daher und er wird angesprochen. 

Dann geht es weiter. Die Werra verbindet alle Ortsteile und gemeinsam „strömten“ die dann einbezogenen Gruppen, Tourismusmitarbeiter, Feuerwehren, Biker, Kegler, Jugendliche im Club, Volleyballer und die Schwimmmeisterin des Freibades, einem Ziel entgegen; es hat sich gelohnt, den Weg gemeinsam mit und in der neuen Stadt zu gehen. 

Eines war dann auch rasch klar: Stoff hätte es nicht nur für einen Kurzfilm gegeben, das Thema ist und bleibt spannend. Aber nur wenige Drehorte waren möglich und viele Szenen entfielen dann doch, als der erfahrene Regisseur Thierry Bruehl mit seinen Fachleuten den Filmschnitt ansetzte. Aber dies lag nicht mehr in den Händen der Filmgruppe. Daher war die Erwartung auf die Filmpremiere groß. 

Toni Nickol, nunmehr Bürgermeister im Amt Creuzburg, gab zu Beginn gemeinsam mit Marie Moissl, der Projektleiterin, eine kurze Einführung wie und weshalb der Film entstanden ist. Denn das ist noch zu ergänzen: Über drei Jahre hinweg entstehen in fünfzehn ländlichen Gemeinden gemeinsam entwickelte Filme, die das Besondere jeder Kommune zeigen: ihre Menschen, ihre Geschichten, ihre Perspektiven auf die Zukunft.  

Dabei geht es nicht nur ums Filmemachen. CineFlex soll Menschen zusammenbringen, die sonst vielleicht nie ins Gespräch gekommen wären. Generationen tauschen sich aus, neue Kontakte entstehen, alte Verbindungen werden gestärkt.  

Am Ende des Projektes werden alle Filme in den Bürgerhäusern zu einer Abendveranstaltung der beteiligten Orte, gerade geschehen, gezeigt. Ein Wettbewerb kürt zusätzlich den besten Film. Alle Beiträge werden außerdem online über die Webseiten der Kommunen abrufbar. In Thüringen stehen bereits vier teilnehmende Gemeinden fest: Treffurt, Stadtroda, Amt Creuzburg und Roßleben-Wiehe. Die Premiere in Treffurt folgt am 12. September. 

Was war nun das Ergebnis? Viele Besucher waren enttäuscht, nicht über den Film, sondern dass er schon nach acht Minuten abbrach. Andere weil gerade ihre Szenen nicht zu sehen waren. Immerhin waren für den Drehtag beinahe 100 Akteure in Aktion! 

Trotzdem, der Film gefällt, ist auch überzeugend, zeigt Schönheiten und Besonderheiten der Region, so den Mittelpunkt Deutschlands, macht deutlich, dass die Stadt Amt Creuzburg in vielen Bereichen auf einem guten Weg ist, dass es natürlich auch noch viele Probleme gibt. Gewissermaßen ein Ist-Stand im Jahr Sieben der Stadt. 

Was allerdings viel mehr zählt, ist das gemeinsame Handeln und Erleben der Akteure, das Miteinander und das Kennenlernen, auf das wohl keiner verzichten möchte. 

Daher einen herzlichen Dank an Mario, Toni, Jörg, aber vor allem an Julia und Bjarki. Es hat Spaß gemacht!  

Rainer Lämmerhirt