weiterer Flakpanzer entdeckt
 
 
Im Zusammenhang mit den Kampfhandlungen an der Werralinie Anfang April 1945 waren die auf dem Spatenberg bei Spichra gefundenen Panzerreste als zu einem der äußerst seltenen Flakpanzer vom Typ "Kugelblitz" identifiziert worden. Von diesem Typ wurden nur fünf Exemplare im März 1945 hergestellt und ihr Verbleib war nur für 2 Exemplare bekannt.
Detlev Terlisten, der wohl beste Kenner der Geschichte des Flakpanzers "Kugelblitz", äußerte sich nach seiner Bestätigung unserer Angaben, dass die fünf in den Deutschen Eisenwerken Duisburg hergestellten Vorserienfahrzeuge zu einer neuaufgestellten Panzerflak- Ersatz- und Ausbildungsabteilung nach Ohrdruf kommandiert wurden. Auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf bildete ein Hauptmann Klausa diese Abteilung, die aus drei Zügen bestand. Der 1. Zug erhielt den Panzer "Wirbelwind", im 2. Zug kamen "Ostwind"- Flakpanzer und im 3. Zug eben die fünf "Kugelblitz" zum Einsatz. Unklar war bis zur Meldung des Fundes von Spichra, ob diese Fahrzeuge noch zum Kampfeinsatz gekommen sind. Mit dem Abschuss eines "Kugelblitz2s" am 1. April 1945 bei Spichra konnte diese Frage zumindest teilweise geklärt werden, schon eine kleine Sensation!
 
Vor einiger Zeit übergab ich Herrn Terlisten nun die Fotos von den Resten jenes deutschen Panzerfahrzeuges. Welches einige Stunden später an jenem 1. April 1945 auf der Höhe des Wallstieges bei Creuzburg abgeschossen wurde. Gefunden wurden Reste mehrer Laufrollen, ein Antriebsrad und verschiedene Panzerplatten. Anhand der Laufwerkreste war bereits klar, dass dieses Fahrzeug im Laufwerk ein Panzer IV sein musste, allerdings passten die am Hang gefundenen großen Panzerplatten nicht recht zu diesem Bild.
 

 
Am Hang des Wallstieges gefundene Panzerplatte. Sie konnte bisher keinem Panzertyp zugeordnet werden . Nun ist klar, sie gehörte zur Turmabdeckung eines Flakpanzers vom Typ "Möbelwagen", wie beim nächsten Bild gut erkennbar. Zu erkennen sind noch rechts am Rand die Scharniere und die runde Öffnung, an der eine Strebe angebracht war, die beim Abklappen des Panzerschutzes dort einrastete.
 

 
Historisches Foto eines Flakpanzers "Möbelwagen" auf dem Fahrgestell eines PIV
 
Links am Turm ist die Panterplatte mit den Scharnieren und der Verschlussöffnung gut zu erkennen. Eine solche Platte, die beim Feuern abgeklappt wurde, um eine Plattform für die Besatzung zu erhalten, liegt am Wallstieg.
 

 
Der Flakpanzer "Möbelwagen" mit abgeklappten Seitenschutzwänden. Vergleichen Sie die rechte Panzerwand mit dem Fundstück von Creuzburg. Man kann die Einzelheiten gut erkennen.
 
Nun kam Antwort von Herrn Terlisten und wieder war es eine interessante Mitteilung! Der bei Creuzburg abgeschossene deutsche Panzer war kein normaler PIV, sondern wiederum ein Flakpanzer. Es handelt sich dabei um den PIV "Möbelwagen", der 1944 in einer Stückzahl von etwa 250 Fahrzeugen produziert und vor allem bei den Flugabwehrzügen an der Westfront zum Einsatz kam. Die Truppe mochte das Fahrzeug allerdings wenig, da beim Schießen mit der 3,7 cm Flak die Seitenpanzer abgeklappt werden mussten, so dass die Bedienung völlig ungeschützt auf der Plattform der Selbstfahrlafette stehen musste. Daher wurden viele dieser Fahrzeuge, die übrigens mit dem Werk in Duisburg den gleichen Produzenten wie der "Kugelblitz" hatten, häufig an Schulen und Lehrabteilungen abgestellt wurden. Vielleicht kamdas Fahrzeug über diesen Weg mit den letzten Fahrschulpanzern des Panzerregimentes Erfurt (der Einsatz dieser Fahrzeuge bei Spichra, Hörschel und Creuzburg ist bezeugt) auch in die Stellung auf dem Wallstieg, wo es wohl vor allem zum Erdkampf eingesetzt werden sollte. Wahrscheinlich bekam der Panzer einen Volltreffer, denn nach der Überlieferung sind mehrere Angehörige der Besatzung in Creuzburg beerdigt worden.
 
Bei der schweren Panzerplatte, die unterhalb der eigentlichen Kampfstellung am Hang gefunden wurde, handelt es sich um eine der Schutzplatten um den Kampfplatz, die abgeklappt werden mussten, wenn man feuern wollte. Damit wäre dieses Rätsel um die Vorgänge jener Tage durch die Hilfe des Experten Detlev Terlisten geklärt.
 
R. Lämmerhirt, Mihla
 

 

 

 

 
 
 
 
Mihla, 03.12.2005 - zurück zur Chronikübersicht