Die Sorgen eines Bürgermeisters - oder: Wenn ich einmal reich wär
Sieht er die Stadtkass ´früh um acht,
ist er um die Ruh ´gebracht.
Nur in der Nachtzeit Schlummer,
vergisst der Bürgermeister seinen Kummer.
Morpheus, dem er in die Arme sinkt,
ihn schwebend in die Traumwelt bringt.
Er setzt ihn ab, nicht irgendwo,
nein, er leitet ihn in sein Büro.
Er schaut und traut den Augen kaum,
des Geldes voll der Kassenraum.
"Gestern war´s noch leer,
wo kommt der reiche Segen her?"
"Oh", spricht der Kassierer, "mit der Bahn
kam ein Container an."
Dort stand auf einem Schild: "Das Geld ist Euer -
als Anteil an der Umsatzsteuer."
"Herr Eichel stellt Euch dies bereit
für die Haushaltsausgeglichenheit."
Wir haben drauf mit aller Kraft
die Moneten in die Kass `geschafft.
Wir hatten grad ´die Tür verschlossen,
da kam ein Laster angeschossen.
Der Fahrer bremste vor dem Rathaus scharf
und rief: "Ich hab ´noch Geld für den Finanzbedarf!"
Absender ist, so les ich, Herr Althaus;
er sagt, das Geld muss beim Lande raus.
Er habe in die Landeskasse geschaut,
hier und dort ein wenig abgebaut.
Wir waren alle ganz beglückt,
schauten auf das Geld verzückt.
Der Bürgermeister als erstes an die Bürger denkt,
dass man nun die Steuern senkt.
So dass in Zukunft für das halbe Geld
ein jeder Hund in der Gemeinde bellt.
Doch das ist es wahrlich nicht alleine,
als nächstes gibt es Geld für die Vereine.
Danach greift er in den großen Haufen,
will Spielzeug für die Kindergärten kaufen.
Auch bei den Schulen hat fast jeder Bau
hohen Renovierungsstau.
Schließlich gibt ´für die Verwaltung
Geld für die Gebäudeunterhaltung.
Und er lässt sich noch bewegen,
kauft ein paar PCs für die Kollegen.
Am Ende gibt's noch schnell
etwas fürs neue Steuerungsmodell.
Auf seinem Sessel sitzt er heiter
und träumt zufrieden immer weiter.
Da kommt gelaufen noch ein Bote,
bringt aus Berlin ganz druckfrisch eine Note:
Frau Merkel schreibt, "Ich bring Euch frohe Kund ´,
die Sozialhilfe trägt nun ganz der Bund!"
Als der Bürgermeister schließlich seelig aufgewacht,
da ruft es laut: "Du Narr, s´ist Fassenacht!!!".